Mittwoch, April 26, 2006

Arbeit, welche kein Deutscher machen möchte

Von Fega Maldas

Seit ich denken kann, kenne ich den Spruch, dass die Deutschen nicht mehr jede Arbeit machen wollten und wir deshalb Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigten. Wie so vieles habe ich dies als unumstößliche Wahrheit in mich aufgesogen und brav weiterverbreitet, Määh.

In einer stillen Stunde dachte ich dann darüber nach, welche Arbeit ich nicht machen möchte. Einem erwachsenen Menschen die Windeln wechseln? Nein, das könnte ich nicht.
Maurer? Ist doch immer an der frischen Luft und tut auch was für seine Fitness. Zudem erspart er sich das Solarium und sieht den Fortschritt seines Tuns. Leider ist das Ansehen dieses Berufes nicht sonderlich hoch.
Noch weiter unten angesiedelt sind Putzfrauen und Müllmänner. Diese Berufe haben ein schlechtes Image und es müssen z.T. unangenehme Aufgaben erfüllt werden. Sie sind somit sehr passend für meinen Gedankengang.

Müllmann? Was müsste passieren, damit ich Müllmann werde? Neinnein, Müllmann werden, das möchte ich nicht!! Nie!!
Es gibt so schöne und angesehene Berufe wie Archäologe, Musiker und Physiker. Gut, ein Physiker hat nicht immer das tollste Ansehen, aber man bringt ihm einen Heidenrespekt entgegen. Musiker und Archäologen sind immer immens angesehen und können sich kaum vor interessierten Fragern wehren.

Warum also Krankenschwester oder Müllmann werden und am Hungertuch nagen, anstatt reich und angesehen als Musiker durch die Welt zu stolzieren? Vielleicht deshalb, weil es nicht so ist, oder zumindest nicht so sein muss? Wie viel verdient ein Müllmann (Straßenwärter), wie viel ein Betriebswirt und warum ist dies so?

Deutsche Betriebswirte sind unter sich, in einem relativ geschlossenen Markt, im Gegensatz zu Arbeitsplätzen, wie z.B. auf dem Bau. Hier müssen sich die deutschen Bewerber (so denn es welche gibt) gegen die billige Konkurrenz aus dem Ausland behaupten, welche dafür sorgt, dass weiterhin schlecht bezahlt wird und das Ansehen im Keller bleibt.

Wie würde sich dies in einem geschlossenen Markt entwickeln? Aus Prestigegründen und des Geldes wegen würden alle Berufsanfänger anstreben, Betriebswirt zu werden. Dies würde unweigerlich dazu führen, dass auf dem Bau mehr gezahlt werden müsste, um genügend Interessenten zu finden. Der Markt für Betriebswirte wäre (und ist) übersättigt und unterbezahlt, während das Ansehen der Handwerker unweigerlich stiege, oder zumindest mit einem angemessenen Schadensersatz abgegolten würde. Ein reicher Maurer steigt unweigerlich im Ansehen gegenüber einem arbeitslosen Betriebswirt.

Derzeit kommt es schon oft vor, dass ein Handwerker mehr verdient (trotz dieser Billigkonkurrenz), als ein Physiker(mit einer ungleich längeren und schlechter bezahlten (haha) Ausbildungszeit) und dies bei einer um einiges geringeren Arbeitszeit. Wer von beiden hat bessere Karten, eine glückliche Familie zu gründen?

Krankenschwestern haben sich einerseits gegenüber Konkurrenz aus dem Ausland zu erwehren und zudem noch mit ihrer Berufung, welche sie auch für weniger Geld arbeiten lässt. Wegen dieses sozialen Engagements stehen sie auf der Prestigetreppe, trotz dem geringen Gehalt und den z.T. ekligen Tätigkeiten, sehr weit oben (im Gegensatz zu ihren männlichen Partnern – an was das wohl liegen mag?).

Fazit: es gibt keine Arbeitsplätze, welche ein Deutscher nicht annähme: es gibt nur eine zu geringe Bezahlung.
Es gibt sehr wohl Arbeitsplätze, für die diverse Menschen nicht geeignet sind. In klassischen Einwanderungsländern, wie den USA, Australien und Kanada wird deshalb nach gut ausgebildeten Arbeitskräften gesucht und nicht nach Billigarbeitskräften. Wenn auch niemand etwas dagegen zu haben scheint, einen billigen illegal eingewanderten Mexikaner, anstatt einem teueren amerikanischen Gärtner anzustellen. Das Hemd ist halt näher als der Rock.

Kommentare:

The_Editrix hat gesagt…

Wegen dieses sozialen Engagements stehen sie auf der Prestigetreppe, trotz dem geringen Gehalt und den z.T. ekligen Tätigkeiten, sehr weit oben (im Gegensatz zu ihren männlichen Partnern – an was das wohl liegen mag?).

Ich weiß, es ist eine rhetorische Frage. Ich schnappe nach dem Köder und beantworte sie trotzdem.

Es liegt, zumindest denke ich das, daran, dass wir unsere atavistischen Rollenvorstellungen auch nach gut dreißig Jahren politischer Korrektheit und "Zivi"-Mentalität noch immer nicht abgelegt haben, die uns tief drinnen sagen, dass es der behütenden Natur der Frau angemessen ist, Hilflosen den Hintern abzuputzen, aber nicht der beschützenden des Mannes, der gefälligst einen Feuersteinspeer (oder eine Knarre) in die Hand nehmen und dafür sorgen soll, dass Frauen und Hilflosen nix Schlimmeres passiert.

Und nun denken, dank politischer Korrektheit und "Zivi"-Mentalität, Frauen, dass es unwürdig ist, Anderen den Hintern abzuputzen und Männer, dass es besser ist unwürdig zu sein, als ihr eigenes bisschen Hintern zu gefährden.

Falls das reaktionär klingt: Es IST reaktionär.

Übrigens: Prima Blog! Danke!

Anonym hat gesagt…

sehr gut.
Ist das erste Mal, daß ich diesen Aspekt thematisiert höre, den ich schon ewig denke: wenn denn manche Arbeit unbeliebt ist, warum wird sie dann nicht höher bezahlt?
Absolut entscheidender Punkt für mich!

Ein Freund allerdings sagte, solche Unlogiken der Marktwirtschaft hingen mit dem Eigentumsbegriff zusammen. Wollte das vorsichtshalber vorerst nicht diskutieren (oder leuchtet es jemand unmittelbar ein?).