Dienstag, April 25, 2006

Gestern Selbstverteidigung, heute Terror

Von Claudio Casula

„Gegen alle menschlichen Werte“ seien die gestrigen Bombenanschläge im ägyptischen Badeort Dahab laut einem Sprecher der Hamas, die als Bollwerk menschlicher Werte hinreichend bekannt ist, seit sie jungen Palästinensern mit Schrauben und Nägeln gespickte Sprengstoffgürtel um den Bauch schnallt und sie in israelische Städte schickt. Den vorläufig letzten Selbstmordanschlag in Tel Aviv hatte die Terrororganisation noch enthusiastisch als legitime Selbstverteidigung gepriesen. Es kommt eben darauf an, wen man in die Luft jagt. Sind die Opfer jüdisch, also, um in der Diktion der Islamofaschisten zu bleiben, „Nachkommen von Affen und Schweinen“, kann man ja keine menschlichen Werte geltend machen.

Wo sogar die Mutter aller Busbomber echt geschockt ist, darf der Generalsekretär der Vereinten Nationen nicht zurückstehen: Kofi Annan, der inzwischen einige Übung im ziemlich nutzlosen Verurteilen von Anschlägen hat, verurteilte die Anschläge. Same procedure as every time, James. Er habe den Verletzten, den Familien der Getöteten sowie dem ägyptischen Volk und der Regierung sein Beileid ausgedrückt und den Akt des Terrors, der auf unschuldige Menschen gezielt habe, verurteilt.
Nicht bekannt ist, ob Annan die ägyptische Führung gleichzeitig streng gemahnt hat, sich bei der Bekämpfung des Terrorismus größtmögliche Zurückhaltung aufzuerlegen, so wie er das gewohnheitsmäßig von der israelischen Regierung verlangt. Aber wenn ich einmal raten dürfte, würde ich sagen: hat er nicht. Es ist auch sehr zu bezweifeln, dass er in der Festnahme einiger Verdächtiger eine „gefährliche Eskalation“ ausmachen oder gar von Mubarak verlangen könnte, sich doch lieber mit den Terroristen an einen Tisch zu setzen und ihnen noch ein paar Millionen Dollar auszuzahlen, um sie freundlich zu stimmen. Aber Angelika Beer wird sich bald ganz bestimmt in diese Richtung äußern. Oder vielleicht doch nicht?
Don’t hold your breath.

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