Dienstag, April 18, 2006

Himmel, hilf!

Von Claudio Casula

Man kann darüber streiten, ob gerade die Deutschen, die im letzten Jahrhundert zwei Weltkriege vom Zaun brachen, dazu berufen sind, zu entscheiden, wer den Weltfrieden (gibts den überhaupt oder macht er nur um Darfur und andere Gebiete einen großen Bogen?) derzeit am meisten bedroht. Sie trauen es sich jedenfalls zu, was an sich ja kein Straftatbestand ist. Strafbar allerdings müsste die Dummheit sein, die sie bei ihrer Einschätzung an den Tag legen, denn laut einer Forsa-Umfrage vom letzten Mittwoch meinen 45 Prozent der Deutschen, dass von den USA eine „größere Bedrohung für den Weltfrieden“ ausgehe als von Iran. Nur 28 Prozent haben Augen und Ohren im Kopf und genügend Hirnschmalz, um eine klare Unterscheidung zu treffen zwischen einer Demokratie und einem religiös-fundamentalistischen Regime, das derzeit dem Staat Israel offen mit Vernichtung droht und gleichzeitig dreist nach Atomwaffen strebt. 16 Prozent sehen in beiden Ländern eine gleich große Gefahr, die schnüre ich hiermit kurzentschlossen zu den 45 Prozent zerebral Entkernten in einen Sack.

In diesem Zustand sind die Deutschen, zugegeben, selbst keine Gefahr für den Weltfrieden, und erst recht keine für die Diktaturen dieser Welt. Sie sind nur noch eine Gefahr für sich selbst. Statt aus dem Desaster der Weltkriege zu lernen, dass der Tyrannei kein Fußbreit gewährt werden darf, machen sie auf die drei Affen und sonnen sich in ihrer hehren Friedfertigkeit und Neutralität. Offenbar habe ich den langfristigen Einfluss von Pastor Fliege grob unterschätzt. Fliege, hat Peter Schneider mal geschrieben, ist auch jener unsichtbare Ort in uns allen, wo Erich Fromm und der kleine Prinz sich guten Nachmittag sagen. Erschreckenderweise ist der Durchschnittsbundesbürger inzwischen so weich in der Birne, dass er nicht mehr zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden in der Lage ist. Hier haben die Medien allerdings auch ganze Arbeit geleistet.

Ehrlich: Bei dem Gedanken, dass jeder Zweite um mich herum George W. Bush und seine Regierung für gemeingefährlicher hält als den Irren von Teheran, wird mir schwarz vor Augen. Mann, Mann, Mann. Das Leben ist wirklich ein hartes in Eurabia.

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