Dienstag, Mai 02, 2006

Endlich wissen wir's: Das Judentum ist rassistisch!

von Heidelbaer

Leider wird Abi Melzer bei Henryk M. Broder aufgrund des nicht enden wollenden Kleinkrieges zwischen den beiden wohl der ewige Schmock der Woche bleiben, vielleicht wird er ja noch als Inkarnation transzendenter und präexistenter Schmockigkeit noch selig gesprochen, wir wissen es nicht. Aber es ist vor allem deshalb ein bisschen bedauerlich, weil wir sonst einen echten Nominierungsvorschlag hätten:

Günter Freiherr von Gravenreuth

Durchlaucht hätten ohnehin schon den Titel "Schmock" verdient, schließlich machte er sich als Abmahn-Anwalt dadurch einen Namen, dass er die Urheber- Marken- und Patentrechte seiner Mandantschaft durchaus auch für sich selbst einträglich auf Kosten zum Teil unbedarfter Computernutzer durchsetzte. Ebenfalls recht schmockig mutet an, dass er sich seinen Adelstitel rückwirkend durch das neue Namensrecht von seiner Mutter her ins Stammbuch schreiben ließ, aber dafür haben wir natürlich Verständnis, wie wirkt denn "Günter Dörr" auf einem Messingschild an der Münchener Freiheit.

Kein Verständnis haben wir jedoch für eine kleine, aber delikate Randdiskussion in der Wikipedia, in der unser Freiherr sich über die "rassistische" Definition aufregte, wonach das Kind einer jüdischen Mutter Jude sei.
Zitat:
Wenn eine Zugehörigkeit zu einer Religon, einem Staat oder sonst was von der biologischen Abstammung abhängig gemacht wird, dann ist das IMO Rassismus!
(Der Rechtschreibfehler ist nicht von mir!)
Auf die Frage, ob eine Religion nicht selber entscheiden dürfe, wer zu ihr gehört, und ob es nicht ganz legitim sei, dass es Bekenntnisreligionen gebe, die die Zugehörigkeit über ein Bekenntnis definieren, und eben Volksreligionen gebe, die ihre Zugehörigkeit genealogisch definierten, ereifert sich Durchlaucht nur um so mehr. Nicht nur, dass die Schläger von Potsdam als Vergleich bemüht (ebendort), er greift auch dankbar das eingeworfene Stichwort "Mormonen" auf, und findet deren offensichtlich rassistische Passagen eigentlich genauso passend in diesem Zusammenhang wie
Zitat:
Ehrenmorde, Zwangsehen, und feminine Genitalverstümmelungen im Islam
Womit sich unser Advokat auch noch als profunder Islamkenner erweist. Dass sich die Mehrheit muslimischer Gelehrter gegen diese Praktiken stellt, und muslimische Geistliche zusammen mit christlichen Bischöfen in Afrika gemeinsam gegen Genitalverstümmelung kämpfen, sei daher nur am Rande erwähnt.

Wir stellen nur fest: Endlich wissen wir's: so schlimm ist das Judentum. Weil das Kind einer jüdischen Mutter Jude ist, sind Juden zu allen anderen rassistischen Schweinereien fähig. Wehret den Anfängen!

Ich werde Herrn Günter Freiherr von Gravenreuth hier explizit NICHT als Antisemiten bezeichnen, denn ich habe bei aller Wertschätzung von Herrn Broder keine Neigung, ihm auch in den Gerichtssaal nachzufolgen, und mir solche Äußerungen richterlich verbieten zu lassen.

Aber ich erlaube dem geneigten Leser, sich seine eigenen Gedanken zu machen, denn die Gedanken sind das, was das Internet nicht zuletzt dank solcher Anwälte wie Frhr v. Gravenreuth nicht mehr ist: sie sind frei!

Heidelbaer

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