Donnerstag, August 03, 2006

Vom Leben der Made im Speck

oder
vom Dasein eines deutschen Neonazis


Nennen wir ihn Michael, unseren Neonazi, und schauen wir uns einmal an, wie es ihm so geht, in einem Land, das fest daran glaubt, sich der Probleme mit Michael und Seinesgleichen entledigt zu haben. Schließlich wird mit denen doch suppi hart umgesprungen!

Frühmorgens um 11 beginnt Michaels anstrengender Tag. Er quält sich mühsam aus dem Bett, um sich, während des Frühstücks, die neuesten Nazi-News und die letzte Überweisung vom Sozialamt im Internet anzuschauen und um sich mit Seinesgleichen per Email auszutauschen und zu organisieren. Pünktlich zum Schulschluss findet er sich vor der örtlichen Schule ein, um seine jungen Fans ("schau mal, der muss nichts arbeiten, hat viele Anhänger und er schützt uns vor den muslimischen Erpressern“) zu empfangen und unentschlossene Kinder zu "informieren". Nach so viel liebevoll-aufopfernder Sozialarbeit an unserem Nachwuchs, schaut Michael noch bei Frau Maier (sie "mag ja die Nazis nicht, aber Michael ist so ein lieber Junge und für Zucht und Ordnung und auch für Arbeitsplätze haben sie damals schon gesorgt, das muss man ja sagen dürfen und heute haben sie doch wieder alle keine Arbeit und die Juden...") vorbei, um ihr beim Einkauf zu helfen.
Danach schaut er noch kurz im "Club" vorbei, wo dann die nächste Demo und der nächste publikumswirksame Auftritt -- heute ein Grillfest für finanzschwache Familien! -- geplant wird. Nach ein paar Bierchen zu viel, gönnt er sich seinen wohlverdienten Schlaf. Er träumt davon, dass er und seine Freunde genügend Menschen überzeugen können, um wie einst sein oberlippenbärtiges Vorbild, den Staat übernehmen zu können - oder einfach davon, ein paar Ausländer zu "klatschen", wie er sich ausdrückt.



So, oder so ähnlich dürfte der Tag eines Neonazis wohl ablaufen. Tatsächlich lungern Hunderte von ihnen vor unseren Schulen herum, um, finanziert durch unsere Steuergelder, neue Anhänger zu sammeln. Es werden viele Stunden freiwilliger Arbeit geleistet, bezahlt aus unserem Steuersäckel, im Sinne eines positiven Echos in der Bevölkerung - eine wunderbare Werbekampagne! Man muss es sagen wie es ist: sie können schalten und walten, wie sie wollen und werden dafür noch von eben dem Staat finanziert, der ihnen in der (grauen) Theorie den Kampf ansagt. Wir meinen jeden schützen und sogar finanzieren zu müssen und stören uns nicht einmal daran, dass manche, in der freien Zeit die wir ihnen bezahlen, an unserem Stuhl und an unseren Werten sägen.

"Wir haben aus den Fehlern der Weimarer Republik gelernt" - wo denn??? Weil die Macht des Präsidenten beschnitten wurde? Weil Verfassungsänderungen jetzt explizit sein müssen? Weil die Stellung der Bundesregierung gestärkt wurde? Darüber lachen Fundamentalisten. Der einzige Weg, die Demokratie zu sichern, besteht darin, alle antidemokratischen Bewegungen deutlich zu benennen und zu bekämpfen. Oder wenigstens nicht weiterhin zu finanzieren. Keine Toleranz der Intoleranz! Ich kann doch jemanden nicht auch noch dafür belohnen, dass er mich bedroht.

Derzeit wird die Gefahr, welche uns von verschiedenen Ideologien droht verharmlost. Es mag sein, dass die Nazis vorerst in Deutschland kein Bein auf den Boden bekommen. Dies liegt jedoch weniger an den Entnazifierungsgesetzen, auf welche sich Artikel 139 GG beruft (die Deutung dieses Artikels ist höchst umstritten und damit in alle möglichen Richtungen auslegbar), sondern an einer Bevölkerung, die die Nazis (noch?) zutiefst ablehnt.

Gefährlicher sind Ideologien, die unsere Demokratie ablehnen, aber von breiten Teilen der Bevölkerung entweder verehrt oder schlicht übersehen werden. Drei Ideologien, welche unsere Staatsform ablehnen und sofort abschaffen würden, wenn sie könnten, schließen derzeit unheilvolle Allianzen. Vorerst begnügen sie sich damit, sich gegen Israel und die USA zusammenzuschließen. Sie sind sich wohl bewusst, somit bei der Bevölkerung die größten Pluspunkte zu sammeln.

Bei diesen Drei handelt es sich um Links- und Rechts-.außen, sowie den radikalen Islam. Es mag dagegengehalten werden, dass sich diese drei Ideologien spinnefeind seien. Doch ein gemeinsamer Feind eint und die anderen Konkurrenten kann man auch später beseitigen, wenn der stärkste Feind besiegt ist. Ribbentrop-Molotov docet. Genau so lief es auch in der Weimarer Republik. Rechts und Links destabilisierten vereint das Land, da sie beide darauf hoffen konnten, dann den Laden zu übernehmen. Hätten sich die Kommunisten zusammen mit der Mitte gewehrt, hätte es niemals ein 3. Reich gegeben (die haben Hitler sogar an die Macht GEZWUNGEN, weil sie sich gutmenschlich-heuchlerisch weigerten, mit dem Klassenfeind SPD zu koalieren!!!). Hätte man beide sofort bekämpft, als man merkte, dass es sich um unheilbar demokratiefeindliche Parteien handelt, hätten wir immer noch das funktionierende "Multikulti" mit unseren jüdischen Mitbürgern(!).

Leider haben wir aus diesem Fehler viel zu wenig gelernt und deshalb wird mir wohl niemand sagen können, was passieren würde, wenn "Die Linke" auf 30%, die DKP auf 20% und eine Muslim-Partei auf 30% kämen und jede dieser Parteien bewaffnete Horden aufstellten und sich langsam radikaleren Parteigrundsätzen verschriebe. Natürlich erst, nachdem sie die Gesetze dementsprechend angepasst haben. Wo bliebe in diesem Fall die Selbstschutzfunktion der Demokratie? Um unsere Werte nicht zu gefährden, setzen wir sie aufs Spiel. Um einem Nazi sein Recht auf Sozialhilfe (gibt es so etwas???) zu geben, setzen wir uns dieser Gefahr aus.

Wir müssen lernen, uns klar dagegen auszusprechen, wogegen wir sind und dies auch glaubhaft bekämpfen. Sonst ergeht es uns wie der Weimarer Republik, die Hitler nur kurz wegsperrte, woraufhin er im Gefängnis "Mein Kampf" schrieb und sich über diese milde Strafe kaputtlachte. Was heißt "sonst"? Es geht uns doch schon längst so, oder was unternimmt der Staat gegen Jugendliche, die Jugendliche einer anderen Glaubensrichtung "abzocken"? Was unternimmt er gegen Jugendliche, die andere wegen ihrer Hautfarbe, oder weil sie Juden sind, besinnungslos prügeln? Was unternimmt er gegen Michael, der Kindern seine Vision vom arischen Deutschland nahe bringt und gegen Mustafa, welcher seinen Kindern erklärt, dass Christen Dhimmis seien und gegenüber Muslimen keinen Wert hätten? Was übernimmt er gegen Kommunisten, welche bis zum heutigen Tag Propaganda von Lenin, Che Guevara, Mao, oder einem anderen Massenmörder verbreiten dürfen?

Nichts! Nada! Nothing! Um vermeintlich unseren Werten nicht zu widersprechen, opfern wir alles. Hitler, Stalin, Bin Laden und ihre Freunde lachen sich über uns kaputt..

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