Samstag, Dezember 16, 2006

Made in Turkey

Oder, Das türkische Religionsministerium erweitert seinen Aufgabenbereich

Nachdem in den Niederlanden bei den jüngsten Wahlen eine türkischstämmige Kandidatin der Linkspartei "D66" dank 35.000 Vorzugsstimmen ins Parlament gewählt worden war, obwohl ihre Partei drei Mandate verloren hatte, stellt sich heraus: dem war eine massive E-Mail-Kampagne zugunsten der Kandidatin vorausgegangen. Absender der Mails: das türkische Ministerium für Religions-Angelegenheiten im fernen Ankara.

Auch wenn sich der zuständige Minister eilends von der Sache distanzierte, zeigt sie doch prototypisch, worum es in Wahrheit geht. Denn ein Land, in dem als Normalität hingenommen wird, dass ein (zehntausende Beamte umfassendes) "Religionsministerium" nicht nur jeden Freitag festlegt, welche Predigten in den Moscheen des Landes ertönen, sondern dessen Mail-Server offenkundig auch noch in irgendeiner Form dazu benutzt wird, das politische Verhalten von in der EU wahlberechtigten Türken zu steuern – ein solches Land ist in seiner Wertebasis ganz offenkundig ziemlich weit von dem entfernt, was in der Europäischen Union Standard ist; mehr oder weniger zumindest ... Zum Artikel

Anzumerken ist noch, dass dieses türkische "Religionsministerium" (eigentlich ja nur ein islamisches) seine Variante des nationalistischen Turkislams vor allem über Organisationen wie die deutsche DITIB (Diyanet) oder die Österreichische ATIB verbreitet.
Etwa über die Errichtung und die personelle Besetzung von Moscheen, oftmals mit europäischen Steuergeldern mitfinanziert.
Eine ausländische Behörde betreibt also in Europa religiöse Einrichtungen, welche bei uns die Vorgaben der türkischen Politik umsetzen sollen.
Und das ganz unabhängig davon, ob es, wie in Deutschland, keine offiziell anerkannte islamische Glaubenvertretung gibt, oder, wie in Österreich, eine oftmals als vorbildlich beschworene anerkannte.
Was ja scheinbar ohnehin keinen großen Unterschied zu machen scheint, denn auch in Österreich arbeitet man fleißig an "religiösen Auslandsvertretungen" des türkischen Staatsapparates.

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