Samstag, April 14, 2007

Warum Erdogan tatsächlich "right on Hitler" ist!

Auch wenn so mancher der Realität nicht ins Auge blicken möchte: Erdogan ist tatsächlich right on Hitler (jedenfalls im Sinne der innertürkischen Debatte, meine Wortwahl wäre das ja nicht).
Aber warum ist das so?

Etwa weil er das Christentum kategorisch ablehnt, und sich sein Umfeld - angesichts einer Christenquote von o,2 Prozent in der heutigen Türkei - beständig seiner Angst Luft machen muss, die Gefahr einer Christianisierung der Türkei wäre imanent.
Aber auch weil unter seiner Regierung der Bau von Moscheen und sog. Imam-Hatip-Schulen (privaten Islamschulen) systematisch forciert wurde und der Besuch letzterer, wäre es nach Erdogans Willen gegangen, zum Universitätsstudium berechtigt hätte.
Dem türkischen Verwaltungsgericht (wohl lauter radikale Atheisten) sei dank kam es nicht dazu - aber ist das muslimischer Liberalismus?
Falls ja, dann wohl einer a la Erdogan, sozusagen eine politische Spezialität des Hauses.
Und solch dubiosen Figuren reden von einem "Christenclub Europa".

Ja, Erdogan und Konsorten sind natürlich sehr für den liberalen Säkularismus (oder dem was sie darunter verstehen) erhoffen sie doch damit endlich den Befreiungsschlag im Sinne des politischen Islams türkischer Prägung zu führen.
Oder halt über den Umweg Europa wenn`s denn nicht anders geht.
Wo also in Erdogans Umfeld die erwähnten türkisch-muslimischen-Liberalen sein sollen, ist wohl eines der letzten großen Rätsel der Menscheit - gleich nach den Pyramiden und noch vor Stonehenge.

Die größte Bedrohung der modernen Türkei kommt auch sicher nicht von Seiten radikaler Atheisten (O, diese Bösewichte der Geschichte!), sondern gleichermaßen von Seiten nationalistischer Kemalisten (wem wäre das pseudoreligiöse Moment alle Ideologien entgangen) wie von Seiten des politischen Islam - wobei Schnittmengen durchaus möglich sind, man denke an die Grauen Wölfe.

Was tatsächlich Abhilfe schaffen würde, wäre eine starke türkische Zivilgesellschaft - und nicht libertinäre Wachträume aus 1001 Nacht.

Siehe auch: Erdogan im Erklärungsnotstand

Kommentare:

Motta hat gesagt…

Aus Erdogan werde ich eh net so recht schlau. Erst regt er sich wahnsinnig auf, dass er zur 50-Jahr Feier der römischen Verträge nicht eingeladen wurde und übt massive Kritik an Merkel, in ihrer Eigenschaft als Ratspräsidentin und bei der Eröffnung der Hannovermesse grinst er wie ein Honigkuchenpferd in die Kamera und läuft freudestrahlend an der Seite von Frau Merkel. Ein komischer Heiliger.

Gruß
Motta

Astuga hat gesagt…

Ja, das geht wohl vielen so.
Abgesehen davon, dass ich ihm seine politische Wandlung nicht abkaufe - die ja erst erfolgte als er wegen seiner Aussagen ein Politverbot erhalten hatte - darf man Erdogan und seine Partei nicht isoliert von der türkischen Gesellschaft beurteilen.

Und in dieser gibt es nun mal eine starke Bewegung hin zum eben immer auch politischen Islam.
Diese Klientel muss er bedienen und er muss sich gleichzeitig mit den Kemalisten (Armee, Staatsapparat) arrangieren - was beide verbindet ist ein starkes nationales Element.