Dienstag, Juli 31, 2007

Komm, mach mit beim Dalai Lama-Bashing!



Das scheint ja aktuell der letzte Schrei in einigen Blogs zu sein. Leider auch in solchen denen ich mich ansonsten verbunden fühle.

Also, Tibet war früher kein Paradies!
Nicht, dass das der Dalai Lama jemals behauptet hätte.
Übrigens, auch China war weder vor, noch ist es unter, noch wird es nach den Kommunisten ein Paradies sein.
Die USA sind kein Paradies - bloß ein cooles, wichtiges Land - imho.
Paradiese gibt es nirgendwo, außer als Ideal und Kristallisationspunkt von Hoffnung.
Etwas das zB auch vielen Juden vertraut ist.

Wenn es hierbei etwas zu kritisieren gibt, dann die Naivität vieler "Fans" des tibetischen Buddhismus, die sich auf dem Niveau der Indien-Verklärung während der 60er Jahre befindet oder der Business-Verklärung mancher Wirtschaftskreise, wenn es um den chinesischen Markt geht.
Aber diese Naivität ist nicht das Problem der Tibeter, der Inder oder der Chinesen.

Im übrigen, wer leichtfertig mit Opferzahlen (hier jener der von China ermordeten und gefolterten Tibeter) herumspielt, der sollte sich in Erinnerung rufen, dass man bei derartigem, noch dazu als Außenstehender, mitunter besser den Mund hält.

Hier noch etwas "Food for thought":
Erklärung Seiner Heiligkeit des Dalai Lama zum 48. Jahrestag des Tibetischen Nationalen Volksaufstands am 10. Mär

Und aus Die Macht der Ohnmacht - der Dalai Lama im Gespräch", Sonntag, 22.Juli, 23.55-0.15 Uhr, Das Erste:
Zur Reinkarnation und einer möglichen Nachfolgerin (!):
"Sinn der Wiedergeburt ist, dass der Nachfolger die Arbeit des
Vorgängers fortsetzt, die im vorigen Leben nicht vollendet wurde.
Dann müsste der nächste Dalai Lama von außerhalb Tibets kommen, da er
meine Arbeit fortsetzen müsste."
"Natürlich könnte es auch eine Frau sein! Eine junge Frau als
Dalai Lama wäre attraktiver ... Ein weiblicher Dalai Lama wäre
nützlicher für den Buddhismus, für die tibetische Kultur, das
tibetische Volk. Warum nicht?"

Ach Gottchen, wie rückständig dieser Dalai, also dieser Lama ist!

Kommentare:

Motta hat gesagt…

Danke schön, das brannte mir schon auf der Seele und Du hast es richtig auf den Punkt gebracht.

Viele Grüße
Motta

ex-blond hat gesagt…

Ich fand es eigentlich ganz erfrischend, mal andere Stimmen zum Dalai Lama zu hören. Irgendwie war er in meinem Bewusstsein immer unhinterfragt eine ganz und gar positive Person, und dieses "ganz und gar" ist ja schon irgendwie vedächtig. Dieses Bewusstsein entstand eher nebenbei, aus dem was man so nebenbei aus den Medien mitkriegt, oder von einer Freundin, die vor einigen Jahren auf einen Vortrag von ihm gehen wollte, als er nach Dtschl. kam. Dann habe ich mal ein Buch von ihm gelesen, nur halb, weil es mich nicht so angesprochen hat: sein religiöses Welt- und Menschenbild konnte ich persönlich mit meinem christlich geprägten Bild nicht vereinbaren. Und ein Fernsehinterview habe ich gesehen, auch schon ein paar Jahre her. Da fand ich ihn freundlich, aber nicht besonders beeindruckend. Ich vermute aber, er ist ein guter Mensch und auch weise.

Astuga hat gesagt…

ex-blond, er ist auch bloß ein Mensch.
Und nichtmal für alle Buddhisten von Relevanz.