Samstag, November 08, 2014

Die Russische Sphinx blinzelt nicht


Dieses Video wurde von Pete Leonhardt hochgeladen und verbreitete sich über Twitter. Es sind Bilder einer Korrespondentin von AP (Nataliya Vasilyeva), und keineswegs Propagandamaterial des Ukrainischen Verteidigungsministeriums. Freilich zeigen sie nur die eine Seite, dass auf ukrainischer Seite möglicherweise auch aufgerüstet wird, sollte man zumindest vermuten.

Aber deren Truppen bewegen sich auf ihrem eigenen Territorium. Das hier sind Truppen, und zwar massenhaft Truppen der Russischen Föderation auf dem Gebiet der Ukraine. Selbst die Separatisten hatten eigentlich versprochen schwere Waffen zurückzuziehen, nun aber sehen wir den Vormarsch von 80 Fahrzeugen, mit Krankenwagen, Mannschaften, Generatoren, Panzerfahrzeugen, schwerer Artillerie und allem, was zu einer Großoffensive gebraucht wird.

Und es ist nicht der erste Konvoi dieser Art, am Tag vor der Wahl ist ein ähnlich großer Konvoi einmarschiert, mit GRAD Raketenwerfern und Mengen an Mannschaften und Munition. Dazu wurden über die "humanitären" Hilfslieferungen auch Winteruniformen und andere "nicht-tödliche" Militärhilfe ins Land gebracht.

Die Bilder lassen nur einen Schluss zu, nach einem vorübergehenden Rückzug sind die Russen wieder da sind. Und zwar mit "boots on the ground", und das nicht nur mit ein paar Spetsnaz Spezialisten, sondern regulärer Bodentruppen. Das, was normalerweise als höchste Eskalationsstufe wahrgenommen wird.

Nun gibt es andererseits auch Entspannungssignale: Russland hat auf eine formale "Anerkennung" der Wahlen in den Rebellengebieten verzichtet, sondern nur seinen Respekt dafür ausgedrückt. Der Gasdeal ist unter Dach und Fach, einige Gegensanktionen von russischer Seite aufgehoben, und auch in den Verhandlungen über die iranischen Atomanlagen scheint wieder Bewegung gekommen zu sein.

Also darf man wieder verwirrt sein: friert der Konflikt an der Demarkationslinie vom Minsker Waffenstillstand ein - oder wird gerade die nächste Offensive vorbereitet, um wirklich ein lebensfähiges Novorussia aus den völlig verarmten und verstümmelten Rumpfrepubliken LNR und DNR zu formen?

Hat Putin Mariupol noch auf dem Zettel? Dnepropetrovsk? Odessa? Wenn er strategisch denkt, ist eine Landbrücke zur Krim und nach Transnistrien sicher verlockend zu haben. Oder ist es gerade sein Kalkül, dass wir jetzt hoffen sollen, er gebe sich mit Luhansk und Donetsk zufrieden - und hat damit erreicht, dass wir nicht nur die Krim für die Ukraine aufgeben, sondern auch den halben Donbass? Nur damit er aufhört, Krieg zu führen?

Die russische Sphinx blinzelt nicht. Nur dann sollte man irgendwann aufhören zu hoffen, dass er nichts Unerhörtes mehr tut, sondern anfangen zu verhindern, dass er das tut. Bislang scheinen die Sanktionen nicht wirklich ihren Zweck zu erfüllen.

Auch wenn dieser wirtschaftliche Krieg des Westens gegen Russland dem letzteren derzeit wirklich enorme Verluste zufügt. Die prallen Währungsreserven Putins schmelzen förmlich dahin, denn Rubel, Öl und Gold stürzen gegenüber dem Dollar geradezu ins Bodenlose. Mit den Kapitalmarkt Restriktionen wird eine Refinanzierung für Auslandsgeschäfte derzeit richtig teuer.

Auch vor diesem Hintergrund fragt man sich: Welchen Sinn macht jetzt eine neue militärische Offensive? Die puren Fakten am Boden sprechen eine klare Sprache - aber ihre Deutung bleibt dennoch Spekulation.

Heidelbaer

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