Donnerstag, Februar 12, 2015

#ChapelHillShooting

Die Wellen schlagen hoch. Der Hashtag #ChapelHillShooting erreicht auf Twitter international Bestmarken. Es ist also ein Diskussionsthema ersten Ranges auf den sozialen Netzwerken. Mittlerweile sind auch Zeitungen und Fernsehen aufmerksam geworden.

Was ist passiert? Drei junge Menschen, Studentinnen und Studenten am Chapel Hill Collage wurden brutal ermordet, ja regelrecht hingerichtet, aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. Ganz üble Sache.

Nach ersten Ermittlungen ging es wohl um einen Parkplatzstreit, bei dem ein Verrückter die Nerven endgültig verloren hat, und ein Massaker anrichtete. Da aufgrund des weitverbreiteten Waffenbesitzes in den USA immer wieder Verrückte scheinbar harmlose Streitigkeiten in einem blutigen Gemetzel enden lassen, war das alles keine Sondermeldung wert.

Doch dann stellte sich heraus, dass die Opfer allesamt Muslime waren, und der Täter auf Facebook religionsfeindliche Kommentare hinterlassen hatte. Nicht konkret auf seine Nachbarn bezogen sondern ganz allgemein. Juden, Christen, Moslems - von denen hielt er nichts.

Nun lief eine Empörungswelle an, ob dieser grausame Mord nur deshalb keine Meldung wäre, weil diesmal die Opfer Muslime wären und nicht der Täter. Man stellte massenhaft herzzerreißender Bilder der Opfer ins Netz, als Spendensammler für Hilfsorganisationen, als Brautpaar usw.

Auch von liberaleren Muslimen wurde laut die Frage gestellt, warum hier keine Sondermeldungen, keine Solidaritätskundgebungen, keine Distanzierungen der christlichen Kirchen oder jüdischen Gemeinden erfolgten. Und wo die Grenze zwischen Hasspredigt und Meinungsfreiheit wirklich verlaufe.

In der ganzen Emotionalität scheinen mir wichtige Grenzen zu verwischen, und ich versuche eine vorsichtige Klarstellung:

Erstens: Mein tief empfundenes Mitgefühl und mein Gebet gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Der Verlust von Menschenleben ist unersetzbar, die Grausamkeit, Eltern ihre Kinder beerdigen zu lassen ist unvorstellbar.

Zweitens: Dieses abscheuliche Verbrechen ist ohne wenn und aber zu verurteilen. Der Täter befindet sich in Haft, er wird wahrscheinlich hart bestraft oder für den Rest seines Lebens in psychiatrischer Behandlung bleiben müssen.

Drittens: Es ist bei aller Erschütterung über diese Gewalt zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Hierzulande in Erinnerung ist noch der Fall Khalid Idrissi, der am Ende auch ein "normales" Verbrechen war und kein politisch motivierter Mord oder Terror. Es gibt wirklich ein zu früh der Empörung. (Das sagen wir hier auch selbstkritisch)

Viertens: Falsche Vergleiche muss man auch zurückweisen dürfen. Dass der Tod der drei Studenten jetzt mit dem Mord an den Karikaturisten von Charlie Hebdo auf eine Stufe gestellt wird, ist einfach falsch. Selbst wenn sich bewahrheiten sollte, dass es sich um ein Hate-Crime handelte, war es ein Nachbarschaftsdelikt und kein geplanter und militärisch durchgeführter Terrorangriff.

Fünftens: Die muslimische Gemeinde darf auf keinen Fall wieder in den Opfergestus zurückfallen (Deniz Yücel nennt das "Dauerbeleidigtsein"), um damit die Krise ihrer eigenen Religion kleinzureden, und sich stattdessen in Verschwörungstheorien zu ergehen. Denn dies ist der eigentliche Nährboden für Extremismus und Terrorismus.

Sechstens: Man muss es aushalten, dass es für den islamistischen Terror derzeit nichts Vergleichbares gibt. Es werden bei einem Mord an Muslimen nirgendwo Straßenfeste gefeiert und Süßigkeiten verteilt, es gibt keine rivalisierenden Gruppen die sich darin überbieten, die Verantwortung für die Tat übernehmen zu wollen. Es gibt kein christliches oder heidnisches Pendant zum Ruf "Allah akhbar".

Siebtens: Sollte es wirklich ein Hassverbrechen sein, sitzen Juden, Christen und Muslime in einem Boot. Denn der Hass, zum Teil auch durch islamistischen Terror erst provoziert wurde, trifft uns gleichermaßen. Denn wenn der Täter alle Religionen gleichermaßen hasste. hätten seine Opfer auch fromme Baptisten oder orthodoxe Juden sein können.

Heidelbaer

PS.: Dieses "in einem Boot sitzen" bedeutet auch, dass Christen selbstverständlich mit Muslimen gemeinsam gegen Hass-Reden sowohl von islamistischer, wie auch von vermeintlich "islamkritischer" Seite aufstehen müssen. Wie es hier in Deutschland z.B. gegen Pegida auch passiert. In den USA ist die Situation (Stichwort FoxNews) leider zum Teil anders.

1 Kommentar:

Heike Erdmann hat gesagt…

"Der Verlust von Menschenleben ist unersetzbar"

Der Verlust von Menschenleben ist entsetzlich.
Menschenleben ist unersetzbar.

Den Verlust wünscht sich niemand. Er ist unnötig.