Sonntag, Februar 08, 2015

Offener Brief an den NDR Rundfunkrat

Betrifft: Günther Jauch.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass Sie zur Sendung Günther Jauch offenbar nur eine Ex-Korrespondentin und einen Ex-General und eine Ex-Botschafter einladen wollten. Einzig amtierender Politiker mit zugegebenermaßen bescheidenem Verantwortungsbereich ist Martin Schulz.

Haben Sie nicht ausgewiesen gute Korrespondenten in Ihrem Team? Ina Ruck, Udo Lielischkies und die jüngst auch ausgezeichnete Golineh Atai? Menschen, die sich der Hitze des Konfliktes aussetzen und nicht Ratschläge aus sicherer Distanz geben?

Wo sind aktive Politiker, die hier etwas zu entscheiden haben in diesem Konflikt, Botschafter, die wirklich eine Regierung vertreten?

Und zuletzt: Wo, zum x-ten Mal, wo sind ukrainische Vertreter? Warum sieht man ausgewiesen kritische und kluge Köpfe wie Maxim Eristavi von hromradske.tv nie im deutschen Fernsehen?

Oder telegene und deutschprachige Leute wie Marina Weisband? Meinetwegen Klitschko?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe überhaupt nicht den Anspruch, gegen ein Heer von Russland-Trollen gegenanzuschreiben, das ist zwecklos.

Die deutsche Befindlichkeit ist aber momentan gefährlich russlandfixiert. Das ist altes Großmachtdenken, das Putin wunderbar in den Kram passt, der ein Europa der starken Nationen errichten will.

Auf dem Rücken der Schwachen. Das sagt er nicht, aber das tut er, mit Panzern und Raketen, in Georgien, in der Ukraine, mit Provokationen gegen das Baltikum und Kraftmeierei gegen die NATO.

Deutschland hat sich entschieden einen anderen Weg zu gehen, Deutschland will auch den kleineren Nachbarn auf Augenhöhe begegnen, will ein Europa des Konsenses und des Miteinanders.

Deutschland darf nicht polnische und baltische Sorgen in den Wind schlagen, darf keinen deutsch-russischen Ausgleich auf Kosten der Ukraine suchen.

Das wäre auch Verrat an genau den Werten, die Europa im Westen zusammenhalten. Nämlich auch kleinen Völkern und Staaten eine Stimme zu geben, statt auf Gewalt der Großen, den Konsens des Ganzen zu suchen.

UKIP, FN und auch AfD und PEGIDA wollen das anders. Es ist aber geradezu eine Aufgabe unserer Staatsräson (und damit auch Aufgabe öffentlich-rechtlichen Rundfunks), diese Werte gegen Angriffe von innen wie außen mutig und kraftvoll zu verteidigen.

Und zum Schluss gebe ich Ihnen noch die Antwort auf Ihre Frage, auf wen Putin noch hört: In seinem Großmachtdenken sicherlich nicht auf Deutschland (anders als die USA, die deutsche Bedenken bei der Stationierung der Raketenabwehr und der NATO Mitgliedschaft Georgiens und der Ukraine).

Putin hört nur - und das ist problemlos beweisbar - nur auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn man in Washington nur laut nachdenkt die Ukraine zu bewaffnen entsteht plötzlich Bewegung am Verhandlungstisch.

Einzig Barrack Obama mit der vollen Wucht der wirtschaftlichen und militärischen Stärke Amerikas hat von Putin aus das Recht, ihm reinzureden, die anderen sind für ihn nur Froschkonzert.

Das würde sich ändern, wenn man in Europa darin einig wäre, ihn mit der vollen Wucht wirtschaftlichen Totalboykotts zu ruinieren, aber er kann sich darauf verlassen, dass das nicht passiert. Und handelt entprechend.

Leider wird die Runde, die sie eingeladen haben, weiter deutsche Sonderwege fordern - und vor allem den von Putin gehegten und gepflegten Antiamerikanismus subtil nähren. Dies ist meines Erachtens gefährlicher, als es auf den ersten Blick scheint.

Mit freundlichen Grüßen
Philipp Kurowski

philippika.blogspot.de

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